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Besinnliches

Meinungsbildung

Wenn heutzutage von „extrem“ die Rede ist, wird in der Regel sofort an nichts Gutes gedacht. Man bringt das Wort ganz schnell mit der „politischen Landschaft“ in Verbindung… Dabei heißt es „neutral betrachtet“ nichts anderes als „an der äußersten Grenze liegend“ oder auch „äußerst übertrieben“. Wir leben mit solchen Grenzen, die da zum Beispiel „Raum“ und „Zeit“ sind, ohne unbedingt weiter darüber nachzudenken. Irgendwie scheint es uns als Menschen aber Eigen zu sein, Grenzen zu suchen, um sie den Möglichkeiten entsprechend zu überschreiten. Und an dieser Stelle sind wir bei dem angelangt, was man als „extrem“ bezeichnet. Man könnte auch sagen: „Bei der Superlative der Superlative“ oder auch bei den „Rekorden“. Es geht, um einmal ein paar Beispiele anzusprechen, um den, die oder das Schnellste, Höchste, Größte. Und damit sind wir schon bei den „Extremsportlern“ und den „Hochleistungen“ angekommen, kurz gesagt bei dem oder denen, die die „Höhe der Messlatte angeben“ und das Tun bestimmen. Das geht allerdings nur, weil es auch „die Verlierer“ gibt. Auch sie „machen von sich reden“, weil es Leute gibt, „für die nur eine schlechte Nachricht eine gute ist“… Was ist aber mit dem „Normalbürger“ und wie ordnet man das „Alltägliche“ ein? Man wird sagen können oder müssen, dass es durch die „Extreme“ begrenzt und durchaus auch der Betrachtung wert ist.

Ziehen wir zum Beispiel einmal die „Meinung“ in Betracht: Da sollte wohl jeder Mensch eine eigene zu verschiedenen Dingen und in so mancher Situation haben! Als „extrem“ zu betrachten wäre es freilich, wenn jemand sich dahingehend äußerte, dass er verlauten lässt: „Ich brauche deine Meinung nicht. Ich habe eine eigene!“ Als extreme Eckpunkte in Sachen „Meinung“ sind aber auch die beiden zu nennen, die ich jetzt vorstellen möchte: Da gibt es nämlich einerseits die so genannten „Chinesischen Weisheiten“, dargestellt als drei Affen, von denen sich einer die Ohren zuhält, der zweite die Augen und der dritte den Mund. Will sagen: „Nichts hören, nichts sehen und nichts sagen!“ Damit kann man sich gewiss ganz gut „durchs Leben schmuggeln“, aber kann man sich auf solche Leute einlassen oder gar auf sie verlassen? Wer das tut, der „ist dann wohl eher verlassen“! Der andere „Eckpunkt“, wenn es um die Meinung geht, wäre der, dass jemand kundtut, „für alles offen zu sein“. Dieses Thema betreffend gibt es einen netten Kommentar, den ich auf einer Spruchkarte lesen konnte: „Wer für alles offen ist, kann nicht ganz dicht sein!“

Unser Denken und Handeln sollte sich diesbezüglich, wie auch in vielen anderen Angelegenheiten auf ein „gesundes Dazwischen“ einpegeln. Jesus hat die Blinden sehend gemacht hat und dafür gesorgt, dass Aussätzige rein wurden und auch Lahme wieder gehen, Taube hören und Stumme sprechen konnten. In einem der Evangelientexte, die am Sonntag in der Kirche verlesen werden (Mk7,31-37), heißt es zum Beispiel, dass Jesus die Ohren und die Zunge eines Menschen berührt und dazu „Effata“, das heißt „Öffne dich!“, gesagt hat. Fortan konnte dieser Mensch „richtig“, so steht es da, reden, „und seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit“. Man spricht von einem „Wunder“, und so etwas kommt wohl heutzutage eher selten vor! Aber ist das wirklich so? „Die Welt ist voller Wunder“, pflegt man gelegentlich zu sagen, und wer die Augen und Ohren und alles Sinne geöffnet hat, der sollte das bestätigt können!

Bei einer katholischen Taufe gibt es den so genannten „Effata-Ritus“, bei dem der taufende Geistliche in leichter Abwandlung das tut, was Jesus auch getan hat: Der Täufling bekommt dieses „Öffne dich“ zu hören, und es ist zu hoffen, dass er fortan „richtig hört“. Daran dürfen sich alle Getauften hier einmal erinnern lassen! Wenn aber „richtig gehört werden soll“, muss auch „richtig gesprochen“ werden. Auch daran lasse man sich erinnern! Das gilt besonders für die Eltern, Lehrer, Erzieher, Politiker und die so genannten „Geistlichen“.

Nun wird man aber festhalten müssen, dass es viele Menschen gibt, die nicht getauft sind. Auch sie sollten und dürfen sich zu Herzen nehmen, dass dieses „Sich öffnen“ von größter Wichtigkeit ist: „Das Richtige“ sollte gehört, gesprochen und gesehen werden. Wenn das in einer guten Weise geschieht, dürfte wohl die Menschheit vor gefährlichen „Extremen“ bewahrt sein. Ein guter „Weg der Mitte“ wird sich finden, und zwar einer der gangbar ist, ohne der „Lauheit“, die in der Bibel keinen guten Ruf hat, sondern in der „Offenbarung des Johannes“, einem Teil der Bibel, sogar verurteilt wird, zu verfallen und ohne den Menschen die Freude zu nehmen, sich als „Extremsportler“ zu betätigen oder nach höchsten Leistungen auf anderen Gebieten zu streben. Im Endeffekt kommt es immer auf das „rechte Maß“ an. Dieses zu suchen und zu finden, sich seine eigene Meinung zu bilden und dann entsprechend zu handeln, wird eine bleibende Aufgabe für jeden Menschen sein, mag er sich dazu die Anleitung aus den Texten der Bibel holen oder auch an anderer Stelle. Ich wünsche allen Lesern dieser Zeilen viel Freude bei der „Meinungsbildung“, die dann das persönliche Leben und das der gesamten menschlichen Gesellschaft in hoffentlich guter Weise prägen möge.

                                                 J.J.