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Besinnliches

Rollenspiel

„Trifft ein Mensch einen anderen. Sagt der eine zum andern…“ Mit diesen Worten fängt so manche kurze Geschichte, die wir mit Humor betrachten oder gar einen „Witz“ nennen, an. Da sei gleich mal eingeworfen, dass das, was wir als „Witz“ bezeichnen, keinesfalls nur die Lachmuskeln anregt, sondern nicht selten eine – manchmal bittere – Wahrheit enthält…

Lassen wir in der folgenden Geschichte einmal völlig unvoreingenommen sich zwei Menschen treffen! Sagt der eine zum andern: „Lääächeln!“, und verzieht seinen eigenen Mund geradezu von einem Ohr bis zum andern. Er stuppst die Leute, auf die er trifft, freundschaftlich an, weiß einen Witz nach dem anderen zu erzählen und versucht zum Lachen zu animieren, selbst dann, wenn das, was da von irgendjemandem gerade erzählt wird, nicht direkt so zum Lachen ist. Dieser Mensch tritt auf als „die Freude pur“. Dabei verbreitet er frohe Stimmung, stößt mit vielen, die er trifft, an und verbreitet in humorvoller Weise seine „Weisheiten“ bis hin zu dem Satz, der aus dem Munde des „fröhlichen Bettlers“ Franz von Assisi stammt: „Gott ist Freude, darum hat er die Sonne vor sein Haus gestellt.“ Das geht lange gut – bis er auf einen Menschen trifft, der mit finsterer Mine durch die Gegend „marschiert“. Auch der zieht durch die Reihen und quatscht die Mitmenschen an. Aber er schimpft mit ihnen, wirft ein Problem nach dem anderen auf, und jedem, dem er begegnet, wird bald klar, dass die Falten auf seinem Gesicht keine „Lachfalten“ sind. Er ist offensichtlich ein völlig humorloser Mensch, der Sorgen hat und Sorgen verbreitet, und wenn er tatsächlich einmal lachen sollte, „dann geht er“, wie man so schön sagt, „wohl dazu in den Keller…“. Zunächst ist die „Plänkelei“ zwischen den beiden eben vorgestellten Leuten nicht mehr als „ein Theater“, aber so nach und nach stellen beide ihre Rolle immer mehr heraus. Ja, es scheint so, als ob sie nicht nur ihre Rolle spielten, sondern diese Rolle selbst verkörperten, nämlich „Heiterkeit“ und „Ernst“. Das geht eine Weile so – bis dann die Uhr schlägt, und zwar zwölf Mal. Plötzlich verändert sich die Situation: Die Masken fallen, denn der Fastnachtsdienstag ist in den Aschermittwoch übergegangen, und spätestens jetzt wird es klar, dass wir eine Fastnachtsfeier im Blick hatten und dass sich der „ernste Büßer im geflickten Mönchsgewand“ als ein im wirklichen Leben recht froher und lebenslustiger Mensch, ja manchmal sogar als ein „Hallodri“ zeigt und der „lustige Harlekin“ mit seinem Frohsinn und den vielen Späßen kein anderer ist als ein wirklicher Mönch, der im wirklichen Leben als ernsthafter Mensch bekannt ist, der in seinen Predigten die Mitmenschen tatsächlich immer wieder einmal zu Umkehr und Buße aufruft. Die beiden Menschen, die sich da trafen, hatten sich vorher nicht gekannt, aber aus dieser „Begegnung mit Rollenspiel“ ist eine gute Freundschaft geworden. Beide denken seitdem über ihre Rolle, die sie im wirklichen Leben spielen sollen, nach und können auch alle, die diese Zeilen lesen, zum Nach-Denken anregen. Dabei lassen sich folgende im Gespräch zwischen unseren beiden Protagonisten aufgeworfenen Fragen ins Spiel bringen:

- Welche Rolle spiele ich in der Familie, in der Firma, in der Gesellschaft, in der Kirche, in meinem Leben?

- Spielt es eine Rolle, welche Rolle ich spiele oder ist das beliebig auswechselbar?

- Muss ich mich in eine Rolle pressen lassen oder darf, ja sogar muss, ich manchmal aus der Rolle fallen?

- Was geschieht, wenn ich „aus der Rolle falle“?

- Gönne ich meinem Gegenüber, wer auch immer das sein mag, seine Rolle?

- Ist ein „Rollenverhalten“ im wirklichen Leben eigentlich angebracht?

- Wie kann ich anderen Leuten helfen, „ihre Rolle“ zu spielen oder auch davon Abstand zu nehmen?

Wie man sieht, ergibt sich aus einer fiktiven Begegnung zu einer Fastnachtsfeier ganz schnell eine Gewissenserforschung, und man merkt, wie „Ernst“ und „Heiter“ ganz nahe beieinanderliegen. Möge die Fastnachtszeit für alle Leser dieser Zeilen eine frohe Zeit sein, und aus so manchem Spaß den wir miteinander haben, möge ein Nach-Denken erwachsen, das uns helfen kann, unsere Rolle im Leben zu finden und zu spielen – oder auch zu wechseln. Ein Blick ins „Drehbuch des Lebens“ wäre da ganz dienlich, und es mag auch eine Rolle spielen, wer es geschrieben hat und wer die Regie führt. Da wird es manche gute Möglichkeit geben. Man sollte ein Auge darauf haben, dass auch Gott und die Bibel dabei im Angebot sind.

An Stelle des sonst um die Fastnachtszeit oft üblichen „Hellau!“ rufe ich Ihnen an dieser Stelle einmal ein frohes „Gelobt sei Jesus Christus!“ zu und zitiere einen Satz aus einem Kirchenlied, den man sich zu Eigen machen darf: „Alles meinem Gott zu Ehren, alle Freude alles Leid…“

                               J.J.